Ausbau-Tempo der Erneuerbaren deutlich vorantreiben

Biogas-Experte Hendrik Becker fordert Ausbau ländlicher Energieregionen

Vreden, 4. September 2017.

Auf Einladung des Bundesverbandes Erneuerbare Energien e.V. (BEE) und weiteren Energie-Verbänden und –Unternehmen kamen am 31. August 2017 ca. 500 Gäste in den Audimax, Dorf Münsterland in Legden. Keinen Zweifel an der Bedeutung des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren Energien für den Klimaschutz ließen sowohl die Branchen-Vertreter, Referenten als auch die zahlreichen Gäste, darunter Anlagenbauer und -betreiber sowohl von Wind, Sonne und Biogas.
Kurz vor der kommenden Bundestagswahl appellierten Branchenvertreter an die Politiker, die Interessen der ländlichen Regionen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Veranstaltung hatte einen großen regionalen, landwirtschaftlichen Bezug, was vor allem bei den Gästen im Audimax zu emotionalen Forderungen und Erklärungen führte. Der Appell aller Politiker und Referenten: Die Bedeutung der Erneuerbaren Energien in NRW anzuerkennen und den Ausbau weiter voranzutreiben. „Gerade die Biogas-Industrie in NRW, speziell im Münsterland, sichert nicht nur eine dezentrale Energieversorgung, sie sichert auch Arbeitsplätze gerade in den ländlichen Regionen“, betonte Hendrik Becker, Vizepräsident Fachverband Biogas und Gesellschafter der Vredener PlanET Biogastechnik auf dem Podium.
Die regionale Politik-Veranstaltung zeigte deutlich auf, welche Defizite, aber auch welche Chancen im Bereich Erneuerbare Energien noch zu heben sind. Bezogen auf die aktuelle Koalitionsvereinbarung kritisierte er eine Ausbremsung der Erneuerbaren Energien in NRW. „Das Großprojekt Energiewende ist gefährdet. Es fehlen in NRW verlässliche Rahmenbedingungen, da gerade auch die Wind und Biogas-Projekte einen langen Planungszeitraum und sichere Investitionsbedingungen brauchen“, so Becker.
Würde der Koalitionsvertrag so umgesetzt, wie er derzeit geplant ist, wird NRW in dem Klimaschutz weit zurückfallen. Bereits getätigte Vorinvestitionen würden zu Nichte gemacht. Hendrik Becker, Gründer der PlanET Biogastechnik, gab auf der Veranstaltung einen Überblich über die vom BEE geforderten Vorschläge zur Bundestagswahl. In seiner Funktion als Vorstands-Mitglied des Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) forderte er u.a. neben dem verbindlichen Ausstieg aus der Kohlepolitik eine Förderung von Sektorenkopplung und Speicherkapazität, den Ausbau intelligenter Netze sowie die Forcierung der Mobilitätswende. Der LEE NRW ist die Interessenvertretung der Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen.
Damit einher muss eine Überarbeitung des Marktdesigns für den Strommarkt erfolgen. Dies könne vor allem über die Einführung einer CO2-Besteuerung umgesetzt werden. Der Emissionshandel bilde die tatsächlichen CO2-Kosten nicht ab. Als Steuerungsinstrument sieht Becker statt der Stromsteuer vor allem eine CO2-Steuer. „Erst wenn CO2 einen angemessenen Preis bekommt, kann die CO2-Steuer ihre optimale ökologische Lenkungswirkung entfalten“, betont der Biogas-Experte. Diese „Müllgebühr“ werde faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Der Kritik der Monokulturen bzw. Vermaisung der Region durch Biogas-Energie begegnete Becker auf der Podiumsdiskussion mit Hinweis auf mehr Biodiversität im Energiepflanzenanbau. „Zur Vielfalt gehören heute neben den klassischen landwirtschaftlichen Kulturen und den Zwischenfruchtmischungen auch neue ertragssichere, mehrjährige Kulturen, die den Anteil von Mais bereits in der Vergangenheit und vor allem zukünftig weiter verringern werden“, so Becker.