Biogas im Rucksack

Biogas im Rucksack – PlanET Biogastechnik unterstützt neue Wege für dezentrale Biogasnutzung im ländlichen Uganda

Testphase erfolgreich beendet – Vertreter der deutschen und ugandischen erneuerbaren Energiebranche konnten ihre gemeinsam entwickelten innovativen und umsetzbaren Lösungen zum Thema Strom- und Biogasversorgung in Uganda nun erfolgreich vor Ort in dem ostafrikanischen Land testen. Den Rahmen für die Kooperation bot das lab of tomorrow, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umsetzt. Als eines von drei Teams wurde „Agali Awamu“ nun ausgewählt mit der Unterstützung des lab of tomorrow ihr Geschäftsmodell im Rahmen der Pilotphase weiterzuentwickeln.

PlanET Biogastechnik - Gruppenbild Uganda

Foto: Gruppenbild aller Teilnehmer des lab of tomorrow Uganda, München (Quelle: © GIZ / Martin Hangen)

Die Geschäftsidee des Teams „Agali Awamu“ formte sich während des Innovationsworkshops des lab of tomorrow. Dabei übernahm Christof Langguth, Vertriebsmitarbeiter der PlanET Biogastechnik GmbH aus Vreden, die Einleitung für die Gruppe und wies auf die Chancen und Probleme aus der Sicht des Münsterländer Anlagenbauers in Uganda hin. Das Land hat eine unzureichende und unzuverlässige Stromversorgung, aber eine wachsende Bevölkerung sowie Agrar- und Lebensmittelindustrie.
Dazu Langguth: „Für mittlere und große Biogasanlagen sind daher Insellösungen gefragt, bei der fossil erzeugte Energie durch Strom aus einem Biogas-Kraftwerk ersetzt werden kann.“

PlanET - Mitglieder der Gruppe Agali Awamu

Foto: Mitglieder der Gruppe „Agali Awamu“, lab of tomorrow Uganda (Quelle: © GIZ / Martin Hangen)

Kleinst-Biogasanlagen hingegen, die z.B. mit dem Mist von ein paar Kühen oder Schweinen befüllt werden, sind seit vielen Jahren in Uganda in Betrieb, allerdings wegen der relativ hohen Investitionskosten von ca. 1.000 EUR, genauso wie Flüssiggas oder Strom, für einen Großteil der ländlichen Bevölkerung unerschwinglich.
Zum Kochen wird daher in ländlichen Gebieten weiterhin Holz und in urbanen Regionen größtenteils Holzkohle benutzt. Dies fördert die Abholzung des Waldes und heizt den Klimawandel an. Außerdem ist das Holzsammeln, das praktisch ausschließlich von Frauen und Mädchen erfolgt, sehr zeitaufwendig und teilweise auch gefährlich. Das Kochen auf traditionellen Öfen mit Feuerholz ist zudem ineffizient und äußerst gesundheitsschädlich.

PlanET - Bau einer Kleinst Biogasanlage

Foto: Bau einer Kleinst-Biogasanlage bei Kakira Sugar Ltd. Dairy Farm, Uganda (Quelle: Kakira Sugar Ltd.)

Die Gruppe „Agali Awamu“ erarbeitete einen konkreten Projektvorschlag, dessen Realisierung anschließend durch das lab of tomorrow unterstützt wurde. Dazu wurde in einem Dorf nahe der Zuckerfabrik Kakira Sugar Limited eine Biogasanlage mit einem Volumen von 10m³ gebaut. Für den Prototyp bringen fünf Familien des Dorfes den täglich anfallenden Tiermist sowie ihre Haushaltsabfälle zur zentral errichteten Biogasanlage, an die auch eine kleine Rinderfarm angeschlossen ist.

Gegen eine Gebühr, die etwas unter dem Preis für Feuerholz bzw. Holzkohle liegt, wird das hier produzierte Biogas in 1m³ große tragbare Folienbehälter abgefüllt. Die Dorfbewohner tragen diesen Biogas-Rucksack dann nach Hause und schließen ihn an einen Gaskocher an. Das produzierte Biogas reicht aus, um eine 5-köpfige Familie mit mehreren warmen Mahlzeiten pro Tag zu versorgen.

PlanET - Biogas Rucksack Uganda

Bild: Biogasrucksack in Äthiopien (Quelle: GIZ)

PlanET Biogastechnik unterzeichnete ein Memorandum of Understanding und erklärte sich damit bereit, das Projekt weiter aus der Ferne zu unterstützen. Für Geschäftsführer Jörg Meyer zu Strohe stehen die Chancen im Mittelpunkt, durch diesen Einstieg in den Markt langfristig auch kommerzielle Biogasanlagen mit Stromerzeugung in Ostafrika zu bauen. Außerdem sieht er das Engagement von PlanET im Rahmen des von der Bundesregierung angekündigten „Marshallplans für Afrika“, der helfen soll, die Ursachen für die Flucht der Bevölkerung Afrikas in Richtung Europa zu bekämpfen.

Nach der Befüllung des Fermenters wurde im Februar 2018 das erste Gas erzeugt – in Kürze wird die Kleinanlage die volle Produktion erreicht haben.

Das Team „Agali Awamu“ pitchte nun sein Geschäftsmodell vor einer Jury aus Vertretern aus Vertretern der Entwicklungszusammenarbeit, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Als eines von drei Teams wurden sie ausgewählt mit der Unterstützung des lab of tomorrow-Teams in die Pilotphase zu starten. Eine Sensibilisierung der Dorfbewohner für das Thema Biogas sowie die Schärfung des Finanzierungsmodells sind als Aktivitäten geplant. Bald schon werden erste Ergebnisse vorliegen, wie das Konzept von allen Beteiligten angenommen wird, inwieweit sich die Situation der Dorfbewohner verbessert, und wie viele Menschen von dem Projekt profitieren.