Mehr Fairness beim Wärmeeinkauf im Gesundheitswesen

Grüne-Politikerin Maria Klein-Schmeink informierte sich bei PlanET- Biogas über aktuelle Entwicklungen im Energiemarkt

Vreden, 7. September 2017.

Welche Rolle hat bzw. kann Biogas zukünftig für die regionale Energieversorgung übernehmen? Wie bedeutend ist Biogas als Energieversorger in ländlichen Regionen für kommunale Gebäude und Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen oder Schwimmbäder? Diese und weitere aktuelle Themen standen im Fokus der Diskussion zwischen Politik und Unternehmen vergangene Woche bei der PlanET Biogastechnik GmbH. Politikerin Maria Klein-Schmeink, Gesundheitspoltische Sprecherin Bündnis90/Grüne, MdB sowie Maja Saatkamp, Kreistagsmitglied Kreis Borken, Josef Wissing, Ratsherr Stadt Vreden, Gerd Welper, Fraktionsvorsitzender/Ratsherr Stadt Vreden und Gertrud Welper, Fraktionsvorsitzende im Borkener Kreistag informierten sich vor Ort bei der Vredener Firma PlanET über aktuelle Entwicklungen der Energie-Branche, insbesondere die Rolle, die Biogas dabei übernehmen kann.
Hendrik Becker, Gründer und Gesellschafter der PlanET Biogastechnik sowie Vize-Präsident des Fachverbandes Biogas e.V. wies darauf hin, dass das „Multitalent“ Biogas eine unverzichtbare Säule der Energiewende ist und auch bleiben muss – auch nach der Bundestagswahl. Gerade die Fähigkeit, Energie zu speichern und jederzeit abzurufen sei ein Vorteil gegenüber Sonne und Wind und mache Biogas zur Säule der Energie-Nahversorgung. Dies gelte vor allem in ländlichen Regionen wie dem Münsterland. Beste Beispiele einer nachhaltigen Wärmeversorgung seien direkt vor Ort, die gemeinsam erörtert wurden: Eine Anlage beliefert das Vredener Frei- und Hallenbad, eine weitere versorgt eine Sozialeinrichtung sowie Industriebetriebe, eine dritte beliefert einen Gartenbaubetrieb mit Wärme – um nur einige Beispiele zu nennen. Erfreulich sei dabei, dass immer mehr landwirtschaftliche Abfälle und Wirtschaftsdünger, aber auch alternative Energiepflanzen wie die Donau-Silphie oder auch Blühpflanzenmischungen zum Einsatz kommen. So kann zukünftig Biogas mehr und mehr zu einem Gewinn für die Artenvielfalt im Münsterland werden.

Persönlich in Augenschein genommen wurde dann noch die von PlanET erbaute Biogasanlage von Alfons und Frank Kisfeld in Vreden. Sie versorgt das nahegelegene St. Marien Hospital, anfangs jedoch nur über eine Fernwärmeleitung. Heute wird zusätzlich über eine knapp 1000 m lange Leitung ein Satelliten-BHKW mit Biogas beliefert, was direkt am Krankenhaus steht und aus seiner Abwärme zusätzliche Wärme liefert. Beim Besuch wurde der „Netzeinspeisezwang“ im Erneuerbaren Energie Gesetz bedauert. Dieser verhindert, dass der Betreiber seinen vor Ort produzierten Strom nicht direkt ans Krankenhaus liefern darf, sondern zunächst in öffentliche Netz einspeisen muss, verbunden mit Verlusten, aber auch allen Gebühren und Belastungen.

Der Klimawandel macht auch nicht vor NRW Halt und ist heute deutlich spürbar. „Wir setzen ganz auf Erneuerbare Energien, im Zusammenhang mit intelligenten Stromnetzten, Kraft-Wärme-Kopplung und Energieeffizienz“, betonte Politikerin Maria Klein-Schmeink. Sie machte deutlich, dass es für die Grünen keine Alternative zum Ausstieg aus der Kohle geben kann. „Klimaschutz bedeutet auch immer Gesundheitsvorsorge“, so die Gesundheitsexpertin der Partei. Biogas helfe hier, die Gesundheitsbelastungen durch Lärm- und vor allem Schadstoffreduzierungen der fossilen Kraftwerke zu mindern.

Angesprochen wurden ebenfalls die bisher unzureichenden „Ausschreibungsmodalitäten“ bei der Energieversorgung im Gesundheitswesen. Becker: „Es kann nicht sein, dass hier derjenige den Zuschlag bekommt, der den billigsten Preis anbietet. Klimafreundliche Energieerzeugung zählt hier nicht.“ Hier sollten Lösungen geschaffen werden, die den klimafreundlichen Mehrwert darstellen und so einen fairen Wettbewerb ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund diskutierte man auch weitergehende, aktuelle Themen wie z.B. die CO2-Steuer für Verursacher von Emissionen, die Chancen der E-Mobilität im Zusammenhang mit gesundheitlichen Schäden. „Die CO2-Steuer ist ein faires Wettbewerbsinstrument, denn sie funktioniert nach dem Verursacherprinzip“, so Hendrik Becker. Als langjähriger Verfechter der Erneuerbaren Energien und Biogas-Experte gebe es für ihn keine Alternative, nach der Bundestagswahl eine entsprechende Besteuerung einzuleiten. „Biogas ist eine Trumpfkarte für die dezentrale Energieversorgung im ländlichen Raum, gerade für die Versorgung öffentlicher Gebäude. Diese müssen wir uns erhalten“, forderte Becker. Gleichzeitig sollte man über eine geringere Stromsteuer die Verbraucher entlasten, so würde eine Lenkungswirkung erzielt ohne Mehrbelastungen der Bürger insgesamt.

PlanET Biogastechnik hat seit 1998 seinen Hauptsitz in Vreden und übernimmt seitdem eine wichtige Rolle für die Region als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb. „Auch in diesem Jahr haben acht Jugendliche eine Ausbildung bei uns begonnen“, so Jürgen Adamik, CFO des Unternehmens. Weltweit hat PlanET bereits über 420 Biogasanlagen in der Größenordnung zwischen 40 kW und mehreren MW gebaut. Das Unternehmen mit heute 220 Mitarbeitern in Vreden und den internationalen Niederlassungen in Frankreich, UK, USA und Kanada gehört zu den Marktführern der Branche. Damit das weiterhin so bleibt, forciert PlanET derzeit seine Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung neuer Anlagentypen und Komponenten sowie in der Internationalisierung. Adamik wies auf die Bedeutung der Beziehungen zu Ländern wie China und den USA hin, Regionen, für die man derzeit geschäftliches Potenzial sehe.