Energiepolitische Steuerungsinstrumente

Mehr Mut zu energiepolitischen Steuerungsinstrumenten

Oliver Krischer: Optimierungspotentiale des lokalen Stromflusses durch Einspeisung Erneuerbare Energien und intelligenter Steuerungsinstrumente deutlicher nutzen

Die dezentrale Stromerzeugung passiert hauptsächlich in ländlichen Regionen. Der hier produzierte Strom muss sicher und mit intelligenter Technik in die regionalen Verteilnetze integriert werden und wird dort verbraucht, wo er gebraucht wird. Über die Möglichkeiten intelligenter Strom-Steuerungs- und Messsysteme sowie innovativer Biogasanlagen mit umfangreichen Wärmekonzepten informierte sich am 11. Juli 2017 Oliver Krischer, MdB und Energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag in Reken/Kreis Borken.

Beste Klimagasbilanz dank Biogas

Wie klimafreundlich regenerativer Strom erzeugt werden kann, konnte sich Oliver Krischer auf der Biogasanlage der Benning Agrar-Energie GmbH überzeugen. Die Biogasanlage von Hermann-Josef und Ulrike Benning, Reken-Hülsten, die 2004 von PlanET erbaut und kontinuierlich in den vergangenen Jahren erweitert wurde, weist eine hervorragende Klimagasbilanz auf. Mit ihrem Treibhausminderungspotenzial schneidet sie überdurchschnittlich gut ab. Sie hat fast keine Emissionen- netto nur 0,7 g CO2 Äg pro erzeugter Kilowattstunde, im Vergleich zur herkömmlichen fossilen Erzeugung von 770 g CO2Äg/kWh. Bei einer jährlichen Stromproduktion 8,9 Mio. kWh Strom ergibt sich eine Gesamteinsparung von rund 6.835 Tonnen Kohlendioxid.
Der Grund liegt vor allem in der umweltfreundlichen Energieproduktion. So ist der Großteil der Energie beim Wachstum der Pflanzen entstanden und kann klimaneutral bereitgestellt werden. Silomais, Grünroggen, Sommergerste sowie Rindermist und Milchviehmist sind die heutigen Gärsubstrate- zukünftig werden auch neue Pflanzen wie die durchwachsende Silphie (ökologisch wertvolle mehrjährige Staudenpflanze) der Gasproduktion dienen. Eine entsprechende Fläche konnte sich Herr Krischer ebenfalls auf dem Hof anschauen. Neben Biogas setzt der 76-ha-große Betrieb vornehmlich auf Gemüseanbau.

Fünf der zukünftig insgesamt sieben BHKW versorgen ein umfassendes Wärmekonzept von privaten Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern, landwirtschaftlichen Ställen, Handwerksbetrieben, sowie öffentlichen Anlagen wie Sportverein, Kindergarten, Frei- und Hallenbad, Seniorenheim und Gymnasium und Kloster. Ermöglicht wurde das insbesondere auch durch die Zusammenarbeit mit zwei weiteren Biogasanlagen, die in ein gemeinsames Biogasnetz einspeisen und so auch für eine gegenseitige Absicherung sorgen.
Hermann-Josef Benning geht noch einen Schritt weiter und plant den kompletten Einstieg in die Flexibilisierung.“ Wir möchten zukünftig die Anlagen flexibel fahren, um alles Chancen von Biogas auszuschöpfen.“ Gleichzeitig kritisiert er aber auch das „Schattendasein“ des vielseitigen Energieträgers, der in den vergangenen Jahren zu wenig politische Berücksichtigung fand.
Energie-Experte Oliver Krischer fordert vor diesem Hintergrund mehr Steuerungsinstrumente wie z.B. die CO2-Steuer, die den Kohle-Strom über den Preismechanismus verdrängen soll, ebenso erwähnt er die Sektorkoppelung und auch den Wärmebereich – Steuerungsinstrumente, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Die CO2-Bepreisung ist auch für Hendrik Becker, Gesellschafter der PlanET Biogastechnik GmbH, Vizepräsident Fachverband Biogas e.V und aktiv im Landesverband Erneuerbare Energie NRW, ein wichtiger Ansatzpunkt, um den klimafreundlichen Vorteil des Biogases deutlicher herauszuarbeiten. „Wir können die Energiewende vor allem dann vorantreiben, wenn wir dem Ausstoß von CO2 einen Preis geben.“

Optimale Balance zwischen Einspeisung und Verbrauch

Im Anschluss an die Besichtigung der Biogasanlage im westlichen Münsterland präsentierten Vertreter der innogy SE die erfolgreichen Ergebnisse des von der EU geförderten Forschungsprojektes „GRID4EU“ in Reken. Ziel des europaweiten Modell-Projektes war die Analyse, wie existierende Stromnetze so optimiert werden können, dass sie dynamischer und flexibler auf die schwankenden Einspeisungen von EE-Strom reagieren können.
Die Herausforderung für die Stromversorger liegt dabei vor allem in der dezentralen Energieversorgung: Mit der wachsenden Zahl der dezentralen Energie-Einspeiser drohen hohe Schwankungen im Spannungsband des Mittelspannungsnetzes. Einem aufwendigen und kostenintensiven Netzausbau steht eine günstigere und flexibel regelbare Technik gegenüber, die die Spannung stabilisiert. Die Gemeinde Reken mit ihren städtisch-ländlichen Strukturen bietet dazu ideale Voraussetzungen. Hier sorgen ca. 800 dezentrale Erzeugungsanlagen für Erneuerbaren Strom und speisen ca. 36 000 kW ins Netz – mit zunehmender Tendenz.

Wichtige Erkenntnisse für die Stromversorgung von morgen

Die Messprogramme des Modell-Projektes liefern die erforderlichen Daten, die Schaltprogramme leiten den Stromfluss in optimale Bahnen. Der Netzbetreiber Westnetz muss weniger überschüssigen Strom aus Reken abtransportieren. Dazu wurden alte Trafo-Stationen der Gemeinde Reken umgerüstet. Zusammenfassend lässt sich aus heutiger Sicht feststellen: Die Einspeisekapazität des örtlichen Stromnetzes kann im Vergleich zu einem herkömmlichen Netz um 17 Prozent erhöht werden. Das heißt: Der notwendige Netzausbau könnte zeitlich verzögert werden. Thomas Wiedemann, verantwortlicher Projektleiter der innogy SE sieht noch einen gravierenden Vorteil: „Durch eine intelligente Steuerung können die Verluste im Netz um 20 bis 30 Prozent verringert werden. Ebenso können die Ausfallzeiten um etwa 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.“ Viele gute Fakten, die für den Einsatz intelligenter Energieversorgung sprechen. Auch hier hat Oliver Krischer Ansatzpunkte identifiziert: „Das heutige Marktdesign behindert aufgrund von Detaillösungen solche guten technischen Lösungen. Insbesondere innerhalbe der Bundesnetzagentur müssen wir uns über eine mögliche Weiterentwicklung unterhalten.“
Gefragt nach einem Fazit des heutigen Tages ergänzt Oliver Krischer: „Ich habe heute interessante und innovative Details kennenglernt, die mir in meiner politischen Arbeit helfen werden. Wir brauchen in der Politik mehr Mut zu energiepolitischen Steuerungsinstrumenten, egal ob im Netzbereich oder in der Bepreisung von CO2 -Emissionen“.

Hintergrund: PlanET Biogas Group

Die international tätige PlanET Biogas Group gehört zu den führenden Anbietern für Planung, Anlagenbau, RePowering, Biomethan und Service. PlanET hat die erste Feststoffeinbringtechnik für Biogasanlagen entwickelt, bietet Techniklösungen für den Einsatz von 100 Prozent Mist oder Gülle und anspruchsvolle Substrate wie Stroh und Gras. Weiteres Kerngeschäft ist die Vergärung biogener Abfallstoffe. Mehr als 200 Mitarbeiter sind in der Unternehmenszentrale im Münsterland sowie in den internationalen Niederlassungen in Frankreich, UK, USA und Kanada beschäftigt. Weltweit hat PlanET bereits über 400 Biogasanlagen in der Größenordnung zwischen 40 kW und mehreren MW erfolgreich realisiert.

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